Onkologie

Die Onkologie, auch Karzinologie genannt, ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Erforschung, Diagnostik und Behandlung von Krebserkrankungen befasst. Ihr Ziel ist es, die Mechanismen der Bildung von Tumoren, Karzinomen, Sarkomen, Metastasen etc. zu verstehen und die besten Mittel zu ihrer Bekämpfung einzusetzen. Dazu werden insbesondere die folgenden Behandlungsstrategien angewendet:

Die onkologische Behandlung ist multidisziplinär angelegt: Beteiligt sind unter anderem Radiologen, Pathologen, Onkologen, Chirurgen und Radioonkologen, die bei wöchentlichen Tumorkonferenzen, auch Tumorboards genannt, jeden Fall ausführlich besprechen, um gemeinsam die bestmögliche Therapieoption festzulegen. Die unterstützende Therapie wird parallel durchgeführt. Im Mittelpunkt steht die abgestimmte Behandlung der mit der Krankheit verbundenen Beschwerden.

Chemotherapie

Behandlung eines Krebses mit chemischen Substanzen (Zytostatika), die die Krebszellen abtöten oder ihre Vermehrung verhindern. Es stehen über einhundert verschiedene Zytostatika zur Verfügung, die abhängig von der Krebsart und dem Krankheitsstadium ausgewählt werden. Häufig werden sie miteinander kombiniert, um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen. Die Medikamente können als Infusion oder Injektion oder in Tablettenform verabreicht werden. Bestimmte Krebsarten werden grundsätzlich mit Chemotherapie behandelt (Leukämie, Lymphome). Bei anderen Krebsarten kann die Chemotherapie nach einer Operation und/oder einer Strahlentherapie eingesetzt werden (adjuvante Chemotherapie), um eventuell verbliebene Krebszellen zu zerstören. Eine Chemotherapie kann auch vor einem operativen Eingriff durchgeführt werden (neoadjuvante Chemotherapie): Das Ziel in diesem Fall ist die Verkleinerung des Tumors, um die Erfolgschancen der Operation zu erhöhen. Wenn die Chemotherapie die Krebszellen angreift, wirkt sie auch gegen gesunde Zellen. Dieses Phänomen erklärt teilweise die unerwünschten Wirkungen (Verdauungsstörungen, Beeinträchtigung der Immunität, Anämie, Haarausfall, Müdigkeit etc.), die vorübergehend auftreten und je nach Art der Behandlung und der Reaktion jeder Person unterschiedlich stark sind. Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, kann die Chemotherapie das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und kontrollieren, die Schmerzen eines Patienten lindern und seine Lebensqualität verbessern.

Hormontherapie

Onkologische Behandlung mit dem Ziel, die Aktivität/Produktion eines Hormons, das das Wachstum eines Krebstumors stimulieren kann, zu verringern oder zu verhindern; sie wird ausschliesslich bei so genannten «hormonabhängigen» Tumoren eingesetzt. Bei Krebsarten wie Brust- oder Gebärmutterkrebs ist der Tumor häufig hormonabhängig: Vor Verordnung einer Hormontherapie wird zunächst das Krebsgewebe analysiert, um zu prüfen, ob es empfindlich gegen die Hormonwirkung ist. Prostatakrebs ist immer empfindlich gegen das männliche Geschlechtshormon (Testosteron), so dass auf diese Voruntersuchung verzichtet werden kann. Antihormonelle Medikamente werden in Form von Injektionen oder Tabletten verabreicht. Die Hormontherapie ist eine Langzeitbehandlung, die sich im Allgemeinen über mehrere Monate oder Jahre erstreckt. Sie wird auch mit anderen Therapien kombiniert

Immuntherapie

Diese Methode ist nicht speziell gegen den Tumor gerichtet, sondern es werden Medikamente eingesetzt, die die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken oder aktivieren, um den Krebs zu bekämpfen (Immunantwort). Die Immuntherapie wird immer häufiger angewendet: Die verabreichten Medikamente helfen dem Immunsystem, die Krebszellen zu erkennen und zu vernichten. Man unterscheidet zwischen der lokalen Immuntherapie (selten) und der allgemeinen Immuntherapie (viel häufiger).

Gezielte Krebstherapien

Mit dem Begriff «gezielte Krebstherapien» (Targeted Therapies) wird eine Gruppe von Medikamenten bezeichnet, die selektiv in bestimmte Prozesse von Tumorzellen eingreifen. Diese Medikamente blockieren das Wachstum des Tumors oder verlangsamen seinen Stoffwechsel. Sie machen sich bestimmte Eigenschaften im Inneren oder an der Oberfläche der Krebszellen zunutze, die sie als Angriffspunkte (Targets) verwenden; sie sind also nur wirksam, wenn diese Eigenschaften in den Krebszellen der behandelten Person vorhanden sind.

Mit der Immuntherapie und den gezielten Krebstherapien konnten zwar bestimmte Krebsarten erfolgreich behandelt werden und sie ergänzen die bisher angewendeten Therapien (zum Beispiel die Chemotherapie), aber sie können sie nicht ersetzen.

Unterstützende Therapie

Eine Krebstherapie hört nicht bei der Behandlung der Krankheit allein auf. «Unterstützende Therapie» ist eine Übersetzung des englischen Begriffs «Supportive Care» und bezeichnet alle Behandlungs- und Unterstützungsmassnahmen, die bei an Krebs erkrankten Personen während der gesamten Dauer der Krankheit erforderlich sind. Durch unterstützende Therapien werden Bedürfnisse erfüllt, die während und nach der Krebsbehandlung entstehen. Berücksichtigt werden unter anderem Schmerzen, Müdigkeit, Ernährungsprobleme, Verdauungsstörungen, Atembeschwerden und Beschwerden des Harn- und Geschlechtsapparats, motorische Störungen, Behinderungen und Zahnprobleme. Auch soziale Schwierigkeiten, psychische Belastungen, Beeinträchtigungen der körperlichen Erscheinung und die Begleitung am Lebensende finden Berücksichtigung. Hier werden unterstützende Massnahmen mit den eventuell angewendeten spezifischen Krebstherapien kombiniert.